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Hinweis: Die Legende der Kriegerin ist Bestandteil einer fiktiven Religion im Rahmen sogenannter Live-Rollenspiele (LARPs). Alle Informationen auf dieser Webseite sind Fantasieprodukte der Spieler. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Orten oder Begebenheiten wären rein zufällig. Informationen über LARP im allgemeinen finden sich in der LARP-FAQ.

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Die Legende von der Kriegerin

Es war eine Zeit, da Thyras Schergen weite Teile des Landes verwüsteten, die Bevölkerung mordeten und das Böse verbreiteten. Da begab es sich, daß wieder einige aus dem Land der Mitte nach Celestria kamen.
Das ursprüngliche Ziel der Fremden war ein großer Kriegsrat, um sich gegen die Brut der Finsternis zu erheben, doch lenkte Thyras kalter Wille sie in eines der an das Böse verloren geglaubten Gebiete.

Die tapferen Streiter aus dem Lande der Mitte gerieten in die grausame Gefangenschaft der Priesterschaft Thyras, und ihre Qualen und ihre Not waren unermeßlich. Doch immer wieder lehnten sie sich gegen ihre Wärter auf, warfen sich gegen sie in die Schlacht und ließen nicht ab von der Hoffnung, daß sie die Freiheit wieder erlangen würden und daß ihre Folter ein Ende hätte. Freundschaft und der Zusammenhalt war letztendlich das, was ihnen die Freiheit wiederbrachte, jedoch der Weg in ihr Heimatland war ihnen immer noch verwehrt. So warteten sie auf die letzte Schlacht tief im Inneren des Feindesgebietes.

Und der dunkle Mond stand hoch am Himmel. Der finstre Gott Bel-Vorax schritt über die gepeinigte Erde, und Thyra warf ihre Brut gegen die wenigen Kämpfer des Lichts, um sie auch hier für immer restlos zu vernichten.
Und Thyras Macht formte einen Drachen aus der Finsternis, noch jung an Jahren, doch voller Haß und Schrecken. Seine Klauen rissen tiefe Furchen in die Reihen der verzweifelten Streiter, sein ätzender Atem verbrannte Haut und Fleisch. Sein stachelbewehrter Schweif fegte die Kämpen von der Erde und zerbrach ihr Gebein.
Doch immer noch bestand Hoffnung, und die Kämpfer aus dem Lande der Mitte warfen ein letztes Mal ihre Kraft gegen die Schergen des Bösen und der Finsternis.
Und der Drache ward vernichtet, die Brut zurückgedrängt, die Gegend für einen kurzen Moment frei von Dunkelheit.

Mehrere der Streiter waren gefallen, unter ihnen Marianne aus Burgund, eine Soldatin aus dem Land der Mitte. Ihre Schwester Marielle, ebenfalls eine der anwesenden Streiter, verlor über die Qualen der erlittenen Gefangenschaft und über die Trauer um ihr Fleisch und Blut den Verstand. Verloren im Wahnsinn irrte sie umher, weit entfernt von ihren Freunden und der Gegenwart.
Unter den Überlebenden befand sich ein Magier, der all das sah. Entschlossen beugte er die Macht von Licht und Schatten, um erneut Leben in den Körper der gefallenen Soldatin zu zwingen.
Doch die Macht des Bel-Vorax war stark in jener Nacht. Der dunkle Gott selbst wandelte auf Celestrias Erde. Voller Versuchung und falschen Versprechungen bot Bel-Vorax seine Magie an, und ein Pakt ward zwischen dem Magier und dem Gott geschlossen um die Seele der gefallenen Frau. Doch Bel-Vorax brach die versprochenen Eide und brannte der Wieder-auferstandenen sein Zeichen auf, damit er jeden ihrer Schritte bis in das ferne Land der Mitte beobachten und verfolgen konnte. Das Wissen um jenes Land versprach ihm Macht.

Und Marianne wurde wieder lebendig. Und sie reiste in das Land der Mitte zurück, zusammen mit ihrer verwirrten Schwester, die sie pflegte, so oft es ihr erlaubt war, bis daß auch sie gesund war.
Doch das finstre Mal des Bel-Vorax brannte in ihr. Kein anderer Glaube konnte der Frau helfen, denn sie besaß keinen. Auch war sie keine tapfere Kriegerin, sondern Feldscher und Wissenschaftlerin, weder von Gradlinigkeit noch durch festen Willen geprägt. Erst vorsichtig, dann immer verzweifelter bat sie verschiedene Leute um Hilfe: Freunde, Priester, Magier. Doch niemand vermochte ihr zu helfen. Die Soldatin gewann nach und nach Wissen über ihre Wiederbelebung, über das dunkle Zeichen, seine Boshaftigkeit und seine Bedeutung. Ihre Verzweiflung wuchs. Die Angst vor dem Blick, den Bel-Vorax durch ihren Körper auf das Land der Mitte warf, und vor der Versuchung des Bösen in ihren Träumen brachten sie an den Rand des Ertragbaren.

Sie floh vor ihren Freunden und ihren Kameraden in die kalte Winternacht, denn die Angst, ihnen durch das Mal zu schaden, war größer, als die Angst, alleine mit den Versuchungen zu leben.
Und als Marianne alleine in der Nacht durch den tiefen Schnee des Winters irrte, voller Pein und Angst in ihrer Seele, da erbarmte sich Solin, dessen Mond hell am Himmel stand.
"Siehe, ich bin Solin", sprach er. "Ich bin der lichte Bruder des Bel-Vorax, dessen Mal in dir brennt. Warum hast du einen Pakt mit meinem Bruder geschlossen?"
In Tränen und Verzweiflung, immer der Gegenwärtigkeit des dunklen Schattens an ihrer Seite bewußt, beteuerte Marianne ihre Unschuld. Bel-Vorax flüsterte, höhnte und drohte, doch die Soldatin schrie immer wieder und wieder ihre Schuldlosigkeit hinaus.

Und Solin sprach: "Mein Bruder hat Unrecht an dir getan. Ich kann das Stigma von dir entfernen. Allerdings muß ich das Geschenk des Lebens, daß mein Bruder dir gab, ebenfalls rückgängig machen, und du wirst sterben. Doch deine Not und deine Qual wird ein Ende haben, und ich werde dich zu mir nehmen."
Da weinte die Frau bitterlich und konnte sich nicht entscheiden. Nie war sie gläubig gewesen, und die Angst vor dem Tod war in ihr unermeßlich.
So einigten sich die Brüder, der Sterblichen einen Tag zu gewähren, um die schwerwiegende Entscheidung zu fällen: für das Licht oder für die Finsternis. Das Mal nahm Solin für diesen Tag von ihr, damit ihre Entscheidung unbeeinflußt sei.

Marianne kehrte zu ihren Freunden zurück und berichtete, was ihr widerfahren war. Die einen rieten ihr das, die anderen jenes, doch in einem waren sie sich alle einig: welche Entscheidung sie auch treffen würde, sie alle würden ihr beistehen. Selbst, wenn sie den Weg des Lichtes verlassen würde, da sie so wenig gefestigt war und voller Zweifel und Unsicherheit - sie wollten ihr alle die Hände reichen und ihr auf dem Weg zurück in das Licht helfen.
Und als der Tag verstrichen war, ging sie wieder hinaus in den Schnee, begleitet von den Wünschen und Tränen ihrer Freunde. Ein Kamerad begleitete sie hinaus in die Nacht.

Da holten sie Solin und Bel-Vorax in das Reich ihrer Träume und fragten sie nach ihrem Entscheid. Doch sie wußte es nicht.
Da griff Bel-Vorax nach ihr, doch Marianne wich zurück und fragte ihn voller Angst:
"Was für ein Leben bietest du mir?"
Bel Vorax sprach: "Ein Leben voller Macht biete ich, voll Reichtum und Einfluß."
Doch nach dem Tag, den Marianne als ihren letzten bei ihren Freunden verbrachte, waren ihr die Augen geöffnet worden. Sie fragte leise: "Man sagt, du weißt nicht, was Freundschaft ist. Man sagt, du verstehst die Liebe nicht. Ist das wahr?"
Und Bel-Vorax wußte keine Antwort.

Da wandte sich die Soldatin an Solin und trat an seine Seite. Und sie stürzte in Todesschmerzen zu Boden und starb in Qualen. Und bevor der endgültige Tod Besitz von ihr ergriff, beugte sich Solin nieder und hob sie auf.
Und Solin sprach zu ihr: "Deine Schmerzen sollen zu Ende sein. Es ist nicht die Art des Lichtes, zu versuchen. Daher konnte ich dir nicht sagen, daß meine Mutter, mein Vater, mein Bruder und ich beschlossen hatten, dir Gnade zu schenken, wenn du dich frei vom Bösen abwendest. Denn unser ist die Barmherzigkeit. Frei sollst du sein von Makel und Sünde. Doch sei dir der Verantwortung bewußt! Nun kehre heim."
Und die Soldatin kehrte lebendig heim zu ihren Freunden, frei von dem Zeichen des Bel-Vorax, und das Herz erfüllt von Dankbarkeit zu Solin.

Und Marianne wandelte im Licht.


© 2002, Astrid Achenbach. Used by permission.

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